Die Wut gegen Elon Musk – Das totalitäre Erbe der Postmoderne

Es ist wahrlich nicht das erste Mal, dass aus Teilen des linken Spektrums zu viel Meinungsfreiheit beklagt wird. Seien es Forderungen, die Leugnung des Klimawandels zu sanktionieren oder Ansichten aus dem öffentlichen Diskurs zu verbannen, die einen kritischen Blick auf die Corona-Maßnahmen werfen. Aktuell ist es nun der Dauerbrenner „Hass und Hetze“, der wieder in den Fokus selbsternannter Demokatiehüter gerückt ist, die es nun beklagen, dass eine einzelne Person angeblich nun über Reichweite und Zulässigkeit von Meinungen bestimmt – meist Menschen, die kein Problem damit hatten, dass es zuvor zwar einen Verwaltungsrat bei Twitter gab, dieser aber offenkundig keine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Durchsetzung des Firmenhausrechts und der Löschpolitik angestrebt hat, sondern vielmehr ideologisch geprägte Willkürslöschungen unterstützt hat. Am besten ließe sich es etwa daran veranschaulichen, dass Jordan Peterson, der nie jemanden bedroht oder beleidigt, sondern im besten Fall nur fragile Gefühle verletzt hat, gesperrt wurde, während das iranische Regime auch im Rahmen der aktuellen Proteste munter weitertwittern darf. Wenn dann die Rückkehr Donald Trumps mehr Furcht auslöst als ein Schurkenstaat, der nachweislich weltweit Terror fördert und zu Gewalt anstachelt (durch Todesfatwen), dann lässt dies nicht auf einen Willen schließen, die Demokratie zu bewahren, vielmehr zeugt dieser verquere Blickwinkel von Engstirnigkeit und ideologischer Kleingeistigkeit. Das Interessante: Die Angst der politischen Linke vor einem offenen und freien Diskurs ist keine moderne Randerscheinung. Sie speist sich direkt aus der Philosophie der Postmoderne.

Die philosophischen Wurzeln des woken Totalitarismus: Foucaults Diskurstheorie

„Macht ist überall“, sagte der französische Philosoph Michele Foucault einst. Mit genau diesem Satz ließe sich ebenso der Kern seiner Diskurtheorie zusammenfassen. Jeder Mensch übt Macht aus. Jedes Wort, jede Geste, jede Emotion ist eine Form des Einflusses auf andere Menschen, die wiederum durch ihren Habitus ebenso einen Einfluss ausüben. Jede Interaktion zwischen Menschen liegt eine Wechselwirkung von Macht inne, die letztendlich den Diskurs formt und ändert, je nachdem wie Individuen ihren Erfahrungsschatz durch Agieren mit Mitmenschen prägen, variieren, neu ausrichten und vielleicht sogar hinterfragen. Mit neuem Wissen ändern Menschen ihre Meinung und üben wiederum dann anderen Einfluss aus, der wiederum zu erneuten Umdenken führt. Auf diese Weise ist der Diskurs stets im einen natürlichen Wandel. Macht heißt im Sinne Nietzsches auch, dass jeder durch die offene Debatte seinen persönlichen moralischen Kompass justieren und somit Macht über sich selbst ausüben kann.

Die fatalen Lehren der Postmoderne

Während Foucault seine Machttheorie allerdings eher descriptiv verstanden sehen wollte, waren es die Vertreter der Postmoderne, die nahtlos an seine Thesen anschlossen, sich allerdings die Lehre erschlossen, dass Machtverhältnisse durchbrochen und niedergerissen werden müssen. Wegbereiter dieses irrigen Pfades war der Soziologe Herbert Marcuse, der den Begriff „repressive Toleranz“ prägte. Dahinter verbirgt sich genau der Gedanke, der jenen Furor entfachte, dem sich nun Elon Musk gegenübersieht. Die repressive Toleranz geht von der Annahme aus, dass ein freier Diskurs immer bestehende Machtverhältnisse begünstigt und andere unterdrückt. Genau deswegen müssen bestimmte Meinungen verbannt und aus dem Diskurs gedrängt werden. Weiter stellte Marcuse die These auf, dass der Diskurs immer nur im Sinne des Fortschritts geführt werden sollten – also, dass nur progressive Ansichten Gewichtung haben und diejenigen, die regressiv sind, oder als solche eingestuft werden, keinen Schutzwert genießen sollten. Mit dieser Grundlage soll der Diskurs nicht mehr als volatiles Objekt betrachtet werden, der sich immer wieder in unterschiedliche Richtungen entwickeln kann und damit auch Neues und seine Berechtigung hinterfragt. Nein! Er darf nur einer Richtung der vermeintlichen Progression folgen.

Ausgangspunkt für linke Identitätspolitik

Auf dieser Basis stützt sich die moderne linke Identitätspolitik mit all ihren ideologischen Kampfbegriffen wie „kulturelle Aneignung“, „White Fragility“ oder „White Tears“ und anderen kruden Ideen, die Personen wie Robin di Angelo und andere Epigonen der Postmoderne in ihren Ideenschulen ersinnen, um einen Machtkampf zu entfachen. Die auszuübende Macht findet nun jedoch nicht mehr zwischen Individuen statt, sondern im Kollektiv: Patriarchat vs. Feminismus, Weiß vs. Schwarz, CIS-Personen vs. Transmenschen. Es gibt immer eine Gruppe, die Macht hat und eine, die sich dieser unterzuordnen hat. Die Schlussfolgerung im Sinne Herbert Marcuse: Die Gruppe, die Macht innehat, muss dieser durch aktive Maßnahmen beraubt werden, um der vermeintlich unterlegenen Gruppe die Chancen zu verschaffen, sich dem Einfluss zu entziehen. Das Individuum verdient hierbei keine Beachtung. Es gibt keine Menschen mehr mit individuellen Persönlichkeiten, der Mensch wird zur Marionette an den Fäden der Macht degradiert, Marionetten, die es so zu führen gilt, damit das Schauspiel genauso abläuft, wie es im Skript der postmodernen Gedankenwelt festgeschrieben ist.

Die Verachtung der Toleranten von Toleranz

Genau diese Mentalität tritt zu Tage, wenn Elon Musk nun die blinde Wut entgegenschlägt. Meinungsfreiheit ist der neue Faschismus, genauso wie Eigenverantwortung in Zeiten von Corona. Zu viele Freiheit gibt angeblich den falschen Gruppen zu viel Macht, weshalb diese eingeschränkt werden muss. Wenn nun Elon Musk daherkommt und ankündigt, für einen freien Diskurs einzustehen, dann ist die Sorge des woken Wutbürgers nicht, dass nun echte Straftaten Narrenfreiheit genießen, sondern jene, die dem Sieg des vorgeblich Progressiven entgegenstehen. Jordan Peterson, Boris Reitschuster, Alice Schwarzer, J.K. Rowling, Kathleen Stock, Hamed Abdel Samad, Henryk M. Broder, Nena, das Kollektiv um #allesdichtmachten – wenn wir uns einen groben Überblick darüber verschaffen, wer im Auge der progressiven Gesinnungsjustiz keine Bühne mehr erhalten sollte, lässt sich eindeutig sehen, dass es sich hierbei um eine ebenso vielfältige wie heterogene Gemeinschaft von Menschen handelt. Weder sind hier Faschisten dabei, noch Anti-Demokraten. Wenn aus dem Spektrum, das diese Dämonisierungspraxis im großen Stil umsetzt, sich aufgrund Meinungsfreiheit empört, dann ist stark anzuzweifeln, dass sie daran denken, dass womöglich nun Holocaust-Relativierungen auf Twitter Konjunktur haben könnten. Vielmehr wird der Begriff der Hassrede in dem Sinne umgedeutet, dass es sich hierbei um Rede handelt, die zu hassen ist und was zu hassen ist, wir dadurch definiert, ob eine Meinung noch in das ideologische Korsett passt oder dieses zu sprengen droht. Die neuen Epigonen der Postmoderne reden von Toleranz, verlangen aber unbrüchige Akzeptanz und weigern sich selbst, nur im Geringsten tolerant zu sein. Gerne berufen sie sich dabei auch auf Karl Poppers „Toleranzparadoxon“, um damit ihre eigene Intoleranz zu rechtfertigen und ohne zu merken, dass sie selbst den echten Feinden der Freiheit, wie sie Popper beschrieben hat, sehr ähneln. Das Ziel ist klar: Deutschland soll keine freie Gesellschaft werden, sondern ein Panopticon, jenes Gesellschaftskonstrukt, wie es ebenso von Foucault beschrieben wurde in seinem Werk „Überwachen und Strafen“ und in dem sich jeder aus Angst vor dem unsichtbaren Wächter der Moral selbst diszipliniert. Was es mit dem Panopticon auf sich hat, habe ich hier näher beschrieben. Um es kurz zu sagen: Es geht nicht um Gerechtigkeit und Recht, sondern allein um Macht und den Willen zur Kontrolle. Etwas, das man nun Musk vorwirft.

3 Kommentare zu „Die Wut gegen Elon Musk – Das totalitäre Erbe der Postmoderne

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  1. Komplett Deiner Meinung Christian. Habe es auf a-bigger-bang in Englisch gepostet. Ich frage mich nur ob Elon Musk so stark sein wird den Druck auzuhalten. Ich denke da an seine anderen Geschäfte. Wenn dort die ersten Aufträge wegfallen, könnte das „gezwittschere“ bald ein unrühmliches Ende finden. Der tiefe Staat ist einfach (noch) zu mächtig.

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