Klassenkampf auf Sylt

Die Linkspartei befindet sich im freien Fall und wenn noch der treueste Anhänger einen Grund dafür sucht, dann liefert die Linksjugend aktuell die Antwort. Ignoranz gegenüber der Realität und das Schüren der Ressentiments liegen deren Reaktion zugrunde, die einer Aussage des Tourismusverbandes von Sylt folgte. Dieser äußerte seine Sorgen über einen durch das 9 Euro Ticket entstehenden erhöhten möglichen touristischen Andrang auf die Insel, die bekanntermaßen beliebte Erholungsdestination für die deutsche Prominenz ist. Allein dieser Umstand, dass sich auf Sylt vermögende Menschen einfinden, war für einige Medien, so auch Spiegel online, Grund genug, den Sinngehalt der Bedenken, die der Verband äußerte, zu verdrehen. Dieser machte sich im Kern nur Sorgen um die logistischen Probleme, die durch eine unvorhergesehen hohe Frequentierung entstehen könnte – eine Fragestellung, mit der sich alle populären Touristenziele auseinandersetzen müssen. Doch stattdessen hieß es plötzlich in den Nachrichten, dass auf Sylt keine Nichtreichen willkommen seien. Eine Schlagzeile, die linke Gruppen allzu bereitwillig aufgriffen, um sie unreflektiert auf die populistischste Weise auszuschlagen. Mittlerweile lassen sich auf Links-Twitter allerhand Aufrufe finden, die Insel im Sommer zu stürmen und der Bourgeoise den Urlaub zu verderben.

Die Idee von Sylt zerstören

Das ist es, was die Sprecherin der Linksjugend in einem Interview mit der Zeit forderte. Aber was ist die Idee von Sylt? In erster Linie handelt es sich bei der Insel, um ein Touristengebiet wie jedes andere. Die Anwesenheit von Top-Verdienern und Berühmtheiten ändert daran nichts. Und ja, die die Insel ist preislich etwas höher angesetzt als der Ballermann, dessen teutonisches Stammklientel selbst auf Mallorca nicht mehr gerngesehen ist. Es ist ein legitimes Anrecht lokaler Etablissements, einen schicklicheren Tourismus anzubieten und sich nicht proletarischen in Sangria etränkten Auswüchsen auszusetzen. Und dennoch: Eine Segregation des Geldadels, wie sie linke Gruppen herbeifantasieren, finden auf Sylt nicht statt. Ebenso wie der Vorstandschef oder die Ikonen des deutschen Films dort ihren Urlaub verbringen, steht die Nordseeinsel der Mittelschicht zur Verfügung. Jahr für Jahr verbringen dort Menschen ihren Urlaub, die nicht als reich gelten. Der normale Facharbeiter ist der ebenso zu finden wie – AWO sei Dank – Schulklassen, teilweise aus Problembezirken.

Auf Sylt verbringen also Menschen unterschiedlichster Schichten eine unbeschwerte Zeit. Gehen wir jetzt danach, dass es dennoch genug arme Bevölkerungsschichten gibt, die keine Wohlfahrtsangebote nutzen und sich einen Urlaub dort nicht leisten können, dann liegt dies aber nicht an den Sylter Preisen Denn diese Menschen können sich für gewöhnlich keine Urlaub gönnen. Es ist bedauerlich, dass es eben Familien gibt, die sich wenn überhaupt alle paar Jahre einen Mini-Urlaub gönnen oder von diesem nur träumen können. Aber die Logik der Linken anlegend, müsste jedes Touristengebiet mit dem Furor der Asozialität gestürmt werden, da Urlaub de facto immer ein Luxusgut ist.

Das Kernproblem der Linken

Wenn es all den linken Gruppierungen, die in den (a)sozialen Netzwerken zur Zerstörung Sylts als Symbol aufrufen, wirklich darum ging, jedem zumindest einmal im Jahr auch etwas kostspieligeren Urlaub zu ermöglichen, so vermisse ich die Lösungsansätze dafür. Stattdessen wird ein vermeintliches Unrecht als Vorwand genutzt, selbst Unrecht auszuüben, um einen Klassenkampf zu entfachen und anderen Schaden zuzufügen. Die Vernichtung der Bourgeoise hatte bereits unter Lenin Priorität und sie genießt in weiten Teilen der globalen Linke noch immer den Status als höchstes Ziel. Auch die deutsche Linkspartei hat dieses Ressentiment nie überwinden können und verharrt in den Untiefen der Vergangenheit, ihr revanchistisch-solipsistisches Weltbild mit der Realität verwechselnd. Und die Jugendorganisation sowie die meisten ihr nahestehenden Gruppen sind noch radikaler. Aber das war schon immer das Hauptproblem linker Politik. Wenn man es nicht vermochte, die Situation weniger begüterten Menschen zu verbessern, dann rief man einfach zum Kampf gegen angebliche Unterdrücker und Ausbeuter auf. Ein Leichentuch des Hasses, das das Scheitern der eigenen Politik verdeckt, aber noch immer wertvoll genug war, um die Ideologie zum Preis der gesellschaftlichen Spaltung zu verkaufen. Ich wiederhole: Jedes Jahr verbringen auf Sylt Reiche und Angehörige der Mittelschicht ihren Urlaub friedlich nebeneinander. Niemand wird ausgegrenzt. Und nun kommen hier ein paar vom Leben gelangweilte Möchtegern-Revolutionäre her und entfachen einen künstlichen Zwist, in dem sie Anhänger einer Randgruppe dazu anstacheln, das eigene Überlegenheitsgefühl zu externalisieren und pauschal auf die Reichen dieses Landes zu projizieren, um sich der Erkenntnis zu entziehen, dass sie es sind, die in einer der Realität entkoppelten Parallelwelt leben.

Auf dem Weg zur selbsterfüllenden Prophezeiung

In Deutschland ist eine ausgeprägte Neidkultur omnipräsent und Medien wie Spiegel online leisten dem Beischub. Just an dem Tag, an dem SPON auf seiner Facebook-Seite seinen Lesern weismachen wollte, dass der Sylter Tourismusverband sich darum sorgt, dass zu Mittelverdiener die Insel besuchen, gab es weitere Beiträge, die sich um die Vermögensteilung drehten. Am 20.5.2022 wähnte das Magazin zudem angesichts des Vermögens eines Elon Musks (das neue Feindbild der Moral-Schickeria) oder Jeff Bezos den neuen Klassenkampf nahend. Gleichzeitig bagatellisieren als Journalisten getarnte Aktivisten wie Margarete Stokowski wiederholt linksextreme Gewalt. Wenn einzelne Artikel von solch einem ideologisch einheitlichen Pfad verbunden werden, muss man schon von Orchestrierung sprechen. Wenn die vierte Gewalt sich derartig daran beteiligt Ressentiments und Frustration und Neid zu schüren, dann muss man sich nicht wundern, dass sich Vermögende immer mehr einem unangenehmen Klima ausgesetzt sehen. Man sollte es dann nicht verübeln, wenn sich diese Menschen dann abseits der regulären Gesellschaft ihre Ruhe suchen – an einem Ort, an dem Reiche und Berühmte normal sind und sich nicht Anfeindungen ausgesetzt sehen. Genau wegen diesen Aggressionen gegen Wohlstand, Leistung und Erfolg entstehen mitunter die Parallelwelten der Oberschicht. Sollte sich das Bild der Linken von Sylt irgendwann in Zukunft bewahrheiten und nur noch Personen offenstehen mit einem Einkommen jenseits des sechsstelligen Bereichs, dann dürfen sich Marxs verblendete Erben auf die Schulter klopfen, dass sie mit ihrem irrationalen Verhalten diese Entwicklung befördert haben. Aber wenn noch mehr Hochqualifizierte und Vermögende durch Abwanderung diesem vergifteten Klima entfliehen, dann springen bestimmt die Fachkräfte aus Afrika ein.

3 Kommentare zu „Klassenkampf auf Sylt

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  1. Es gibt manche Beiträge, die mich begeistern, dazu gehört auch dieser.

    Vor vielen Jahren habe ich auf kommunaler Ebene, in einer Ortsgruppe bei „Die Linke“ mitgemacht. Damals hießen sie noch „WASG“ und Lafontaine war auf seinem Höhepunkt, Widerstand zu leisten gegen die Agenda 2010, angekommen. Ich war begeistert. Nach wenigen Monaten habe ich diesen Club wieder verlassen. Ich war sehr enttäuscht von den Mitgliedern. Kurz gesagt, sie wollten alle nur eins und zwar in den Landtag kommen und Staatsknete abgreifen.

    Eine Partei, die seit ihrer Existenz mit dem Slogan “Hartz 4 muss weg“ durch Deutschland reist, und nach 17 Jahren Agenda 2010 nichts erreicht hat, und ansonsten auch nichts auf die Reihe kriegt, außer die Grenzen offen zu halten und den Islam schön zu reden, sollte besser verschwinden oder das Zepter an Sarah Wagenknecht abgeben.

    Das 9-Euro Ticket ist besser als nichts, aber auch nicht viel mehr. Die Armen dürfen zwar jetzt mit dem Zug durch die Gegend fahren, aber eine Pizza werden sie sich auf Sylt nicht mehr leisten können. Die einfache „Margarita“, nur mit Tomatensoße bestrichen und ein bisschen Analogkäse (künstlicher Käseersatz), kostet bei uns schon 9 €.

    Öffentliche Verkehrsmittel sollten grundsätzlich kostenlos sein, schon allein im Hinblick auf die Umweltverschmutzung.

    P.S. Es könnte sein, dass meine Antwort doppelt oder vielleicht sogar dreifach bei Dir erscheint, aber ich hatte Schwierigkeiten beim versenden meiner Antwort. Nichts für Ungut.

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  2. Ah ok. Dein Beitrag ist tatsächlich irgendwie im Spam gelandet. Hoffentlich war das nur eine Ausnahme. Grundsätzlich scheitert das Unternehmen „Mit dem 9-Euro-Ticket den Zug schmackhaft machen“ aber schon an der Unzuverlässigkeit der Bahn. Ich bin letztens schon wieder eine Stunde rumgestanden, weil die Regionalbahn ausgefallen ist. Das Ergebnis: Der Folgezug war umso voller. Das wird so ein Spaß im Sommer, wie der Viehtransport zum Schlachthof. Für einige Reisende sicherlich ihr erster und letzter Trip mit der DB, die sich mal an Japan ein Vorbild nehmen sollte, wie ein ordentlicher Zugbetrieb vonstattengeht. Aber eine nachhaltige Lösung wird dieses Experiment nicht sein. Ich denke mal, dass es logistisch zu einigen Problemen kommt. Daher ist es auch einfach dreist, was SPON und andere Medien in die Bedenken des Sylter Tourismusverbandes hineininterpretieren.

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